Die AWO Sachsen zum Welttag der Suizidprävention

Als AWO Sachsen wollen wir auf die Kampagne „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ hinweisen und das Thema Suizid enttabuisieren.

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Im Jahr 2024 starben bundesweit 10.372 Menschen durch Suizid. Damit liegt die Zahl der Menschen, die ihr Leben selbst beendet haben um ca. ein Drittel über der Zahl der Menschen, die im gleichen Zeitraum insgesamt durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Totschlag, Aids und Mord gestorben sind.

Suizid in Sachsen

Im Freistaat Sachsen haben im Jahr 2024 insgesamt 648 Menschen ihr Leben selbst beendet. Die Suizidrate ist in Sachsen, gegenüber dem Vorjahr, damit zwar leicht gesunken, dennoch gehört der Freistaat Sachsen, neben Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen- Anhalt, zu den Bundesländern mit den höchsten Suizidraten. Statistisch gesehen sterben pro Tag im Freistaat Sachsen etwa zwei Menschen (1,77) durch Suizid. Für Sachsen und Teile von Sachsen-Anhalt und Thüringen lassen sich die hohen Suizidraten teilweise zurückverfolgen bis in das ausgehende 19. Jahrhundert. Das belegt, dass Suizidalität im auch im Freistaat kein Mode- oder Trend-, sondern vielmehr ein Tabuthema ist.

Suizidalität ist in Deutschland, wie in Sachsen vor allem ein Thema des Alters. Mehr als die Hälfte der im Jahr 2024 vollendeten Suizide wurden von Menschen begangen, die 65 Jahre oder älter waren, mehr als jeder dritte im Freistaat vollzogene Suizid wurde von Menschen jenseits des 75. Lebensjahres vollendet.

Damit stellen ältere und alte Menschen, bezogen auf Suizidalität, eine Hochrisikogruppe dar und die demografische Entwicklung lässt erwarten, dass die Zahlen steigen, soweit durch wirksame Präventionsprogramme nicht aktiv entgegengewirkt wird. Hinzu kommt, dass die Zahl der assistierten Suizide in den genannten Altersgruppen, nach den Angaben der Sterbehilfevereine, in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Genaue Zahlen zu assistierten Suiziden liegen weder für Deutschland noch für Sachsen vor, da assistierte Suizide in den Todesursachsenstatistiken des Bundes und der Länder nicht gesondert erfasst werden.

Enttabuisierung & Mitverantwortung

Vollendete Suizide sind nicht nur ein trauriges Ende scheinbar individuell empfundener Ausweglosigkeit. Todeswünsche, Suizidgedanken und suizidales Handeln entwickeln sich immer auch in einem gesellschaftlichen Umfeld, das sich nach einer Mitverantwortung fragen lassen muss. Diese Verantwortung begründet eine breit angelegte Suizidpräventionsstrategie, die alle Risikogruppen berücksichtigen muss. Ein erster Schritt kann – neben einem verantwortungsvollen Umgang mit Themen der Suizidalität – vor allem auch eine Enttabuisierung sein. Denn Suizidprävention ist möglich, soweit es gelingt, im Gespräch zu bleiben.

Als Arbeiterwohlfahrt in Sachsen wollen wir auf die Kampagne zum diesjährigen Welttag der Suizidprävention „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ hinweisen. Suizide geschehen, weil Menschen nicht mehr wahrgenommen, sie nicht mehr erinnert und nicht mehr gehört werden wollen. Geschichten leben von Interesse, vom Interesse an Menschen, ihrem Ergehen und ihren Schicksalen. Wenn es gelingt, dieses Interesse wach zu halten und – bezogen auf Suizidalität – nicht weiter zu schweigen, ist der Anfang einer wirksamen Suizidprävention getan.

Mehr Infos finden Sie auf der aktuellen Aktionsseite.

 

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