Positionierung: Führsorgearbeit in der Familie

Durch Corona zurück zur traditionellen Rollenverteilung?

Ein Teddybär liegt auf einer Computertastatur neben einem Sandwich

Klare Rollenverteilungen für Frauen und Männer gehören schon lange der Vergangenheit an. Das könnte man denken. Gerade die Corona-Pandemie zeigt jedoch, dass es bis zu diesem Ideal noch ein langer Weg ist.

Ob im Beruf, der Freizeit oder der Beziehung, Frauen übernehmen immer noch zu großen Teilen die unbezahlte (Für-)Sorgearbeit im Alltag.

Dieses Ungleichgewicht zeigt sich beispielsweise in der Aufteilung der Kinderversorgung. Laut WSI Report zum „Stand der Gleichstellung – ein Jahr mit Corona“ wird vor der Pandemie 76,3% der Kinderbetreuung von Frauen getragen. Die Corona-Krise hat diese Dynamik sogar noch verstärkt.

In Zeiten von Homeoffice und mobilem Arbeiten sind die Arbeitszeitmodelle so flexibel wie noch nie. Dennoch zeigen die Zahlen des WSI das eine größere Anzahl an Frauen im Gegensatz zu Männern eine Arbeitszeitreduktion vorgenommen haben.

Im April zu Beginn der Pandemie, sind das ca. 24% der Frauen gegenüber 16 % der Männer in heterosexuellen Paarbeziehungen, welche angegeben haben, ihre Arbeitszeiten für die Kinderbetreuung verringert zu haben. Das zeigt, wie trotz angeblicher Gleichberechtigung die Aufgaben und Rollenverteilungen in Beziehungen in den Köpfen der Menschen immer noch sehr traditionell geprägt sind.

Mit traditionell wird dabei oftmals die Rolle des Mannes als alleiniger Geldverdiener in der Beziehung verortet und die Rolle der Frau in der Versorgung des Haushalts und der Kinder vorgesehen. Obwohl Frauen schon in den 1870ern ihr Recht auf Erwerbsarbeit einforderten und somit zum Einkommen im Haushalt beitragen, liegt immer noch der Großteil der dort anfallenden Aufgaben in deren Hand – zusätzlich zum Berufsleben.

Die damit anfallenden zeitlichen Kapazitäten werden jedoch kaum oder gar nicht rechtlich anerkannt. Um beide Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren arbeiten daher fast ein Drittel der deutschen Frauen (in heterosexuellen Paarbeziehungen) mit reduzierter Stundenzahl, um die Mehrbelastung in Pandemiezeiten aufzufangen. Diese Entwicklungen kommen noch zusätzlich, zu der bereits davor vorherrschenden Arbeitssituation hinzu, in der Frauen vermehrt mit reduzierter Stundenzahl arbeiten, um die Führsorgearbeiten in der Beziehung tragen zu können. Die daran ausgerichteten Rentenbeiträge spiegeln sich spätestens in der staatlichen Altersvorsorge mit Beginn der Rente wieder. Frauen sind mit 16,4% gegenüber 12,7% wesentlich häufiger von Altersarmut betroffen als Männer.

Im Jahr 2022 wird es endlich Zeit aus den seit langer Zeit vorliegenden Erkenntnissen zu lernen und die geleistete und unbezahlte Fürsorgearbeit anzuerkennen und auch Frauen im Alter abzusichern. Eine Abhängigkeit im Alter vom Lebenspartner kann keine nachhaltige Strategie sein, um Altersarmut vorzubeugen.

Auch in der aktuellen Pandemiesituation müssen Strategien entwickelt werden, um eine gleiche Arbeitsaufteilung zu gewährleisten und beide Elternteile in der Sorgearbeit und Kinderversorgung zu entlasten.

Weitere Quellen zu diesem Thema:

Aline Zucco, Yvonne Lott; Stand der Gleichstellung: ein Jahr mit Corona; Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung (2021); (https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_64_2021.pdf)

Bettina Kohlrausch, Aline Zucco; Corona trifft Frauen doppelt – weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit; WSI Policy Brief Nr. 40 (Mai 2020); (https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-homeoffice-starkt-tradierte-arbeitsteilung-23878.htm#:~:text=Die%20Forscherinnen%20halten%20fest%3A%20M%C3%A4nner,eine%20traditionelle%20Arbeitsteilung%20sogar%20verst%C3%A4rken)

Hans-Böckler-Stiftung; Coronakrise verschärft soziale Ungleichheiten; Hans-Böckler-Stiftung (Dezember 2020) (https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-coronakrise-verscharft-soziale-ungleichheit-25092.htm)

Holger Bonin; Werner Eichhorst; Annabelle Krause-Pilatus; Ulf Rinne; Auswirkungen der Corona-Krise auf das Familien- und Erwerbsleben; Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Dezember 2020); (https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Forschungsberichte/fb-574-auswirkungen-der-corona-krise-auf-familien-und-erwerbsleben.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D1 )

Bundesregierung; Dritter Gleichstellungsbericht: Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2021) (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/ministerium/berichte-der-bundesregierung/dritter-gleichstellungsbericht?view=)

Debora Gärtner, Katrin Lange, Anne Stahlmann; Was der Gender Care Gap über Geld, Gerechtigkeit und die Gesellschaft aussagt. Einflussfaktoren auf den Gender Care Gap und Instrumente für seine Reduzierung; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2020); (https://www.bmfsfj.de/resource/blob/154696/bb7b75a0b9090bb4d194c2faf63eb6aa/gender-care-gap-forschungsbericht-data.pdf)

Jonas Jessen, C. Katharina Spieß, Katharina Wrohlich; Sorgearbeit während der Corona-Pandemie: Mütter übernehmen größeren Anteil – vor allem bei schon zuvor ungleicher Aufteilung; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (2021) (https://www.diw.de/de/diw_01.c.812230.de/publikationen/wochenberichte/2021_09_1/sorgearbeit_waehrend_der_corona-pandemie__muetter_uebernehme___n_anteil_____vor_allem_bei_schon_zuvor_ungleicher_aufteilung.html)

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