Countdown zur Bundestagswahl: Thema Vielfalt

Was wir brauchen, ist eine glaubwürdige Vielfaltspolitik!

Zwei arabischstämmige Männer lernen konzentriert

Eigentlich ist es eine klassische Win-Win-situation: Je besser wir die Menschen, die in unser Land kommen, in unsere Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt integrieren, desto besser geht es uns allen. Die Menschen, die hierherkommen, weil sie die Chance auf ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben erhalten und unsere Unternehmen, weil sie dringend benötigte Fachkräfte gewinnen. Wir alle profitieren von einer Gesellschaft, die Chancengleichheit und Vielfalt in den Mittelpunkt stellt.

Warum wird dennoch immer noch so wenig dafür getan, Menschen erfolgreich zu integrieren und unsere Politik an der Vielfalt unserer Gesellschaft auszurichten? Wir haben drei konkrete Vorschläge, wie das gelingen kann.

Was wir brauchen, ist eine glaubwürdige Vielfaltspolitik!

Demografischer Wandel, Globalisierung, Migrationsbewegungen und EU-Erweiterung sind Phänomene, die es notwendig machen, sich mit Interkultureller Öffnung und Diversität als eine der zentralen Aufgaben auseinanderzusetzen:

  • Das Arbeitskräfteangebot sinkt, wodurch mancher Branche ein Fachkräftemangel droht.
  • Qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen, wird für Einrichtungen und Dienste zunehmend schwerer.
  • Gleichzeitig steigt der Bedarf an sozialen Dienstleistungen, insbesondere im Gesundheits- und Altenpflegewesen.
  • Hinzu kommt in einigen Bereichen eine hohe Fluktuation bei Beschäftigten aufgrund physischer und psychischer Belastungen.

Um diesen Entwicklungen und Anforderungen Rechnung zu tragen, bedarf es einer an gleichen Teilhabechance orientierte Gesellschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Was wir brauchen, ist eine glaubwürdige Vielfaltspolitik.

Dabei gilt es, Hemmnisse und Diskriminierungen abzubauen, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen daran hindern, ihre Potenziale und Fähigkeiten in vollem Umfang in Arbeitsprozesse einzubringen. Angebote und Dienste sollten an die Bedarfe einer vielfältigen Bevölkerung angepasst werden.

Unternehmen, Verbände und Organisationen sollen ermutigt werden, den Schritt der Interkulturellen Öffnung und Diversitätsorientierung zu gehen. Dies gibt ihnen nicht nur die Möglichkeit, ihre Adressat*innen besser anzusprechen und zu erreichen, sondern auch neue zu gewinnen und gleichzeitig als Arbeitgeber*in attraktiv zu sein.

Aufstockung der Finanzierung für Migrationsberatungsdienste

Bundesweit kommen im Schnitt 300 Beratungsfälle auf eine Vollzeitkraft in der Migrationsberatung. Seit Mitte des letzten Jahrzehnts bis heute sind die Beratungszahlen der Migrationsberatung für Erwachsene Zuwanderer (MBE) und des Jugendmigrationsdienstes (JMD) auf hohem Niveau. Aus der Praxis zeigt sich zudem, dass die Beratungsfälle angesichts der sozialen Ausschlüsse infolge der Covid-19-Pandemie noch komplexer geworden sind, zumal die Zugänge zu den Regeldiensten erschwert sind.

Eine ausreichende Finanzierungsgrundlage zur Aufrechterhaltung der Strukturen ist dringend nötig. Es braucht eine auskömmliche und langfristige Finanzierung, um das qualitativ hochwertige Beratungsangebot bei den anhaltend hohen Beratungszahlen zu gewährleisten.

Die deutlich gestiegenen Eigenanteile der Träger für die Migrationsberatungsstellen, die sich nur teilweise mit Spendenaufkommen gegenfinanzieren lassen, werden ein zunehmendes betriebswirtschaftliches Problem für die Trägerstrukturen.

Arbeitsmarktintegration ist Zukunftssicherung

Laut Zahlen der Bundesarbeitsagentur gehen dem sächsischen Arbeitsmarkt altersbedingt 200.000 Arbeitskräfte verloren. Deutschland steht vor der Herausforderung, Hunderttausende Neuankommende ins Erwerbsleben zu integrieren.

Für die Eingliederung von Arbeitskräften in Deutschland sind eine erfolgreiche berufliche Qualifizierung und die Integration in den Arbeitsmarkt von grundlegender Bedeutung. Angesichts der hohen Zugangszahlen und unterschiedlicher schulischer und beruflicher Vorbildung stellen sich die Anforderungen, die damit für alle Beteiligten verbunden sind, mit besonderer Dringlichkeit. Mit Blick auf die Berufsbildung geht es insbesondere um Fragen nach der Förderung deutscher Sprachkenntnisse und der Feststellung beruflicher Kompetenzen, um Beratungs- und Qualifizierungsangebote sowie Kenntnisse über Rechtsvorschriften, die den Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt und die damit verbundenen Fördermaßnahmen regeln.

Neben der personenbezogenen Arbeitsmarktförderung von Menschen, benötigt es zur Absicherung des Fachkräftebedarfs die Unterstützung für Unternehmen, damit die Betriebe Fachkräfte, Studierende, Auszubildende und Praktikanten aus dem Ausland mit und ohne Fluchthintergrund noch stärker in ihrer Personalrekrutierung berücksichtigen können und Unsicherheiten abgebaut werden. Hierfür sind insbesondere Hürden vonnöten, notwendige Verwaltungsvorgänge zu digitalisieren, um effizient und effektiv die Genehmigungsprozesse zu gestalten. Flankierend mitzudenken ist die Integration von Familienangehörigen in den jeweiligen Sozialräumen. Dazu bedarf es praktische Hilfe, etwa bei Abstimmungen mit Behörden und Berufsschulen, durch Moderation bei Konflikten oder durch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Fortbildungsmöglichkeiten.

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