Zu Besuch beim Elterninformationsabend der AWO Kita PampelMuse

Aufwachsen von Kindern in einer digitalisierten Umwelt

Was müssen wir unseren Kindern an Medienkompetenz beibringen und welche Regeln für die Nutzung digitaler Medien sind sinnvoll?

2 Schulkinder sitzen auf dem Sofa und spielen mit ihren Handys

Wie lange darf mein dreijähriger Sohn fernsehen? Ab wann darf mein Kind ein Smartphone haben? Wie viel Zeit darf es vor dem Bildschirm verbringen? Heißt medienkompetent zu sein, dass ich jetzt über jeden Trend auf dem Laufenden sein muss? Geht meinem Kind der Kontakt zur realen Welt verloren, wenn es sich in virtuellen Welten aufhält? Welche Regeln für die Nutzung digitaler Medien sind sinnvoll und wie handele ich diese mit meinem Kind aus?« Solche und ähnliche Fragen bewegen heute viele Eltern, so auch im musischen AWO-Kindergarten Pampelmuse in Chemnitz. Die Fragen veranlassten Familienbildnerin Ulrike Edler dazu, einen Elterninformationsabend zum Thema »Digitale Medien und Smartphone in Kinderhand« unter Leitung der Medienpädagogin Annika Schulz vom SAEK (Sächsischer Ausbildungs-und Erprobungskanal) Chemnitz zu organisieren. Diese Veranstaltung zog nicht nur das Interesse von Eltern der Kindergartenkinder auf sich. Ebenso nutzten Eltern und Pädagog*innen des Chemnitzer Stadtgebietes das Angebot. Dabei fiel die Wahl nicht ohne Grund auf das SAEK Chemnitz, welches schon seit 20 Jahren über praktische Erfahrungen bei der Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, verfügt.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde den Erwartungen Raum gegeben. Es zeigte sich, dass Unsicherheiten und Ängste vor den Risiken digitaler Medien die Haltung vieler Eltern prägen. Deshalb verwies Frau Schulz zunächst auf die zahlreichen Chancen digitaler Medien, z. B. im Berufsleben, beim Lernen und in der Pflege sozialer Beziehungen, die natürlich einen kompetenten Umgang mit diesen voraussetzen.

Gleichzeitig nimmt der Stellenwert von Medien einen immer größeren Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ein. Dabei übt das Smartphone mit seinen zahlreichen Möglichkeiten einen besonderen Reiz aus. Hier sind vor allem die Erwachsenen als Vorbilder bei der Nutzung gefragt. Denn die leichte Verfügbarkeit digitaler Medien und insbesondere die Internetnutzung birgt nicht zu unterschätzende Risiken in sich. Neben der oben schon erwähnten Vorbildwirkung der erwachsenen Bezugspersonen bilden Verständnis und Interesse für die kindliche Lebenswelt, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein die Basis dafür – Faktoren, die bei der Beziehungsgestaltung zu Kindern grundsätzlich eine Rolle spielen. Besteht bei der Mediennutzung eine sichere Vertrauensbasis, öffnen sich Kinder auch bei problematischen Erfahrungen im Netz ihren Eltern. Entscheidend für die Akzeptanz von Nutzungsregeln und Medienzeiten ist der gemeinsame Aushandlungsprozess. Frau Schulz gab den Anwesenden Empfehlungen für die täglichen Medienzeiten, gestaffelt nach dem Alter der Kinder, mit. So sollte z. B. bei Kindern bis zum fünften Lebensjahr die Mediennutzung auf eine halbe Stunde am Tag begrenzt werden. Auf der Internetseite klicksafe.de, die Bestandteil des Safer Internet-Programms der Europäischen Union ist, finden Eltern und Pädagog*innen die wichtigsten Informationen und zahlreiche Materialien zu Chancen und Risiken des Internets. Frau Schulz stellte den Teilnehmenden beispielhaft den Mediennutzungsvertrag vor, den Eltern mit ihren Kindern gemeinsam aushandeln können, sowie die Checkliste »Wann ist mein Kind bereit für ein Smartphone?«, die Eltern eine Orientierung bei der Einschätzung geben kann, ob ihr Kind schon die nötige Reife für eine verantwortungsvolle Smartphone-Nutzung besitzt. Auch bei Online-Spielen sollten die Eltern die Eignung der Spiele für ihr Kind überprüfen und Zeitregelungen aushandeln.

Nach dem informativen Teil der Veranstaltung blieb noch viel Zeit für die Fragen der Eltern. Immer wieder wurde klar, dass es keine allgemeinen Rezepte für die Mediennutzung gibt, sondern individuell geschaut werden muss, wie verantwortlich und kompetent das einzelne Kind mit Medien umgehen kann. Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind durch andere Aktivitäten, wie z. B. Sport, Lesen, dem Aufenthalt im Freien und dem Treffen mit Freund*innen genügend Ausgleich zur digitalen Welt erhält.

Autorin: Ulrike Edler, Familienbildnerin im AWO Kinder- und Familienzentrum »PampelMuse«

Der Artikel stammt aus dem Regionaltteil der AWO Chemnitz und AWO Annaberg vom Mai 2021

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